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Island mit seiner berühmtesten Sehenswürdigkeit – Thingvellir
Island hat viele landschaftliche Sehenswürdigkeiten. Landschaftlich interessant, aber auch von kultureller und historischer Bedeutung, das ist Thingvellir am Atlantischen Graben. Dort befindet sich ein Nationalpark. Im Jahre 2004 wurde er in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Geologie und Geschichte treffen hier aufeinander.
Der Nationalpark befindet sich im Südwesten der Insel Island, unweit der Halbinsel Reykjanes, etwa 45 Kilometer nördlich der Hauptstadt Reykjavik. Er liegt in der Grabenbruchzone, die als Atlantischer Graben bezeichnet wird. An dieser Stelle treffen sich die amerikanische und die eurasische Kontinentalplatte. Daher ist diese Region durch Vulkanismus und Erdbebengefahr gekennzeichnet. Auf Grund der Verschiebung der Kontinentalplatten ist der Atlantische Graben geologisch besonders aktiv. Er driftet immer weiter auseinander, durchschnittlich jedes Jahr um zwei Zentimeter. In den vergangenen 10.000 Jahren ist er bereits um 70 Meter auseinandergedriftet, die Talsohle hat sich um 40 Meter abgesenkt.
Der Nationalpark ist umgeben von vier aktiven Vulkansystemen. Das Vulkangebiet Hengill ist das bekannteste. Schluchten und Felsspalten prägen das Gebiet. Die größte Schlucht ist die Almannagja, durch die der Fluss Öxara fließt. Er formt den Wasserfall Öxararfoss. Es wird vermutet, dass zur Zeit der Althings der Fluss umgeleitet und der Wasserfall künstlich angelegt wurde. Die Schlucht ist mehr als fünf Kilometer lang. Der See Thingvallavatn ist besonders schön und schließt mit seinem Südufer am Nationalpark an. Wunderschöne Lavaformationen, Hochebenen sowie Täler zeichnen den Nationalpark aus.
Island Sehenswürdigkeiten erleben
Während der Landnahme durch die Wikinger aus Norwegen und der ersten Besiedelung führten Reitpfade durch das Gebiet. Im heutigen Thingvellir-Nationalpark trafen sich die Wikinger und hielten ihre Volksversammlungen ab, die sogenannten Althings. Sie fanden unter freiem Himmel statt und wurden nur von Männern besucht. Die Häuptlinge der isländischen Stämme, die Goden, zuerst 48 Männer, trafen sich dort. Sie brachten ihre Gefolgsleute mit. Diese Versammlungen hatten Gerichtsbarkeits-Funktionen, dienten aber auch der Gesetzgebung. Das Althing galt als eines der ersten Parlamente der Welt. Somit gilt Thingvellir als Geburtsstätte der Demokratie sowie des Gesetzes in Island. Der Lögberg oder Gesetzesfelsen befindet sich vor der Schluchtwand. Von dort aus trug der Gesetzessprecher einen Großteil der Gesetze vor, die mündlich überliefert wurden. Heute erinnert die isländische Flagge auf dem Gesetzesfelsen an die damalige Rechtssprechung. Einige alte Hinrichtungsplätze befinden sich in der Nähe des Gesetzesfelsens. Bis zu 4000 Menschen versammelten sich zu einem Althing.
Später durften auch Frauen daran teilnehmen, es hatte den Charakter eines Volksfestes. Es fand einmal im Jahr zur Zeit der Sommersonnenwende statt und diente dazu noch dem Abschluss von Handelsverträgen und von Ehevereinbarungen. Das Christentum wurde hier im Jahre 1000 durch Beschluss angenommen. Das Althing bestand bis zum Jahre 1798, als es durch die Dänen aufgelöst wurde. Dieser historische Ort diente im Jahre 1944 zur Ausrufung der Republik Island. Im Jahre 1994 wurde dort das fünfzigjährige Jubiläum der Republik gefeiert. Historische Zeugnisse des Althings sind noch heute Steinmauern, die sich rund um den Versammlungsplatz befinden. Sie sind verwittert und überwachsen und dienten einst als Lagerstätten.
Das Althing fand in der Schlucht Almannagja statt, auf Grund der besonders guten akustischen Bedingungen. Die steilen Wände verstärkten die Sprache, riefen jedoch kein störendes Echo hervor. Noch dazu bot das heutige Thingvellir genügend Wasser für Menschen und Pferde sowie Weideland für die Pferde.
Zum 1000jährigen Jubiläum des Althing, im Jahre 1930, wurde Thingvellir zum Nationalpark erklärt.
Der See Thingvallavatn zählt ebenfalls zum Welterbe der UNESCO. Er ist der größte Binnensee Islands, mit einer Größe von 85 km². Viele kleine Inseln befinden sich in ihm und bieten einen zauberhaften Anblick. Bis zu 114 m ist er tief.
Am Ufer des Sees befindet sich eine kleine Kirche. Früher befand sich an dieser Stelle eine große Kirche, die den Teilnehmern des Althing genug Platz bieten musste. Die heutige dort befindliche Kirche ist recht schlicht gehalten. Hier befindet sich ein Relikt aus früherer Zeit, die Islandglocke, die zu damaligen Zeiten vom König Norwegens gestiftet wurde. Die Kirche mit der umliegenden Landschaft ziert viele Postkarten sowie Reiseprospekte über Island.
Der Nationalpark ist etwa 50 Quadratkilometer groß. Viele Wanderwege führen durch den Park, auf denen man die historischen Stätten erkunden kann. Kletterfreunde können die uralten Gesteinsbrocken erkunden mit etwas sportlichem Geschick und Abenteuerlust. Eine Wanderung bietet gute Gelegenheit, die geologischen Formationen zu besichtigen. Zahlreiche Risse und Lavaformationen findet man dort. Eine gute Kondition sowie gute Schuhe sind für eine Wanderung von Vorteil.
Im Park befindet sich ein Aussichtspunkt, der einen wunderbaren Panoramablick über Thingvellir bietet. Die Landschaft, die Schlucht sowie den See hat man dabei sehr gut im Blick. Ein Informationszentrum befindet sich dort. Es ist geöffnet von April bis Oktober, täglich von 09:00 bis 17:00 Uhr. Eintritt wird nicht erhoben. Im Nationalpark Thingvellir gibt es ein Hotel mit Restaurant. Die Spezialität des Restaurants sind Forellen aus dem See Thingvallavatn.
Zu jeder Jahreszeit lohnt sich ein Besuch in Thingvellir. Die Landschaft mit den Lavaformationen und dem See bietet immer einen schönen Anblick. Die schönste Zeit ist jedoch der Sommer, wenn die Temperaturen um ca. 15 °C liegen und gute Gelegenheit zum Wandern bieten.
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Artikel wurde zuletzt geaendert am: 17.05.2010; 19:42:26 Uhr











